Donnerstag, 21. Februar 2019

(Fach-)ärzte 2.0

Die Erfahrungen, die wir in den vergangenen Wochen mit Ärzten gemacht haben, waren ja etwas gemischt (siehe vorhergehenden Post).
Dass es aber auch anders geht, bewies uns der Radiologe Dr. Rosenstengel aus dem Medizinischen Versorgungszentrum meines Endokrinologen in Vaals.
Der erwies sich nämlich nicht nur als ein Muster an Kompetenz, sondern auch als sachlicher, gut erklärender, einen-ernst-nehmender Arzt. Noch dazu bekam Walter bei ihm innerhalb kürzester Zeit einen Termin. (Kommentar von meinem Endokrinologen Dr. Wicke: Aber empfiehl uns nicht weiter, weil du bei uns schnell einen Termin bekommst, sondern weil wir GUT SIND!) Und das sind sie.
Nett, aufmerksam, kompetent - diese Kombination wünscht man sich als Patient doch! Auch, wenn das Ergebnis nicht super erbaulich war, fühlten sich Walter (und auch ich als Begleitperson) in der Praxis wie immer gut aufgehoben und gut beraten. Wir waren hinterher auf jeden Fall schlauer als vorher und das ist eine Grundlage, mit der wir eher arbeiten können, als mit dem hilflosen Salbader seines Gastro-Enterologen.

Und nach der Besprechung mit dem Radiologen haben wir den Suchradius für einen neuen Gastro erweitert. (Ich kenne auch Leute, die für den Besuch bei einer Endokrinologin quer durch die Republik fahren), aber wir haben Aachen und Umgebung in die eine und Mönchengladbach in die andere Richtung dann doch bei der Suche eingeschlossen. Und Walter ist fündig geworden, im April stellt er sich in einer der Praxen vor.

Vorher steht uns beiden dann noch ein Marathon bevor. Nein, nicht die 42km laufen (obwohl ich schon wieder gut im Training für Halbmarathon bin), - Titer bestimmen und eventuell impfen. Alles. Masern, Röteln, Mumps, Keuchhusten, Hepatitis B. Beide. Denn vor der Einleitung der immunsuppressiven Therapie ist das Durch-Impfen eigentlich PFLICHT. Schade, das WIR den ARZT drauf hinweisen mussten und das nicht von ihm kam. Danke an Frau Dr. Etzbach, dass sie uns drauf aufmerksam gemacht hat!

Und damit haben diese Ärzte es geschafft, dass wir nicht komplett den Glauben an die Kompetenz von Medizinern verloren haben, vielen Dank!




Dienstag, 5. Februar 2019

Kompetenz von Fachärzten und andere Fragwürdigkeiten


Okay, und um den ehemaligen Fahrrad-Profi und GCN-Moderator Matt Stephens zu zitieren: „Straight away: this is going to be a long one.“ (ich fahre gerne zu den Trainingsvideos von GCN auf youtube auf dem Speedbike und mein liebstes Video ist 60 Minuten lang).  Und so wie es aussieht, ist auch dieser Text etwas länger. Und es ist auf neudeutsch ein „Rant“. Früher wurde gemotzt und gemeckert. Heute gibt es einen Rant. Und bevor John Bercow mich zur „Order“ ruft, weil ich von hintenrum rante, fang ich jetzt einfach mal an und entschuldige mich schon jetzt für die Länge dieses Textes.

Letztens fragte ein User bei Twitter (jepp, das Sleepielein twittert), was man im Leben verabscheue. Und für mich war es ganz klar: Menschen, die mich nicht ernst nehmen, die mir das Gefühl geben, dumm und nichts wert zu sein. Davon gab es in meinem Leben schon viel zu viele. Und deshalb reagiere ich sehr allergisch und energisch, wenn mir jemand eben dieses Gefühl gibt.

So wie im Moment Walters Arzt. Walter war bei der Spiegelung und sie war dieses Mal (leider) nicht ohne Befund. Was aber genau der Befund ist, wissen wir nicht. In dem, der uns vorliegt, steht: ulceröse Veränderung. Das ist Wischiwaschi und einfach nur nichtssagend. Schlimmer aber jetzt der Aktionismus des Halbgottes in Weiß:
  •          Abklärende Diagnostik am besten 2 Tage stationär im Krankenhaus. Ambulant nicht, da die Stelle sehr sehr eng sei. Davon steht so NICHTS im Befund!
  •          Cortison (klar, ist ja eine Entzündung)
  •          Immunsuppressiva. Und da schieden sich die Geister schon ganz enorm. Und da hat sich der gute Herr Doktor heute am Telefon vollends disqualifiziert. Denn: das Einleiten einer immunsuppressiven Therapie setzt normalerweise einen umfassenden Impfschutz voraus. Darauf sprach Walter ihn an (ihm fehlen ein paar Impfungen wie Pneumokokken und Windpocken). Kommentar: „Das ist ein guter Einwand!“. Und der muss vom PATIENTEN kommen? Weil der ARZT nicht so weit denken kann oder muss? Dabei mag er doch gar keine Patienten mit eigener Meinung.

Und das Schlimme für mich ist, ich muss an das alles denken. Immer und immer wieder und stets und ständig. Und ich werde nicht nach Geührenordnung bezahlt.
Ich hab den Stress der vergangenen Wochen noch nicht verdaut, das scheiß Leben türmt im Moment einfach noch mehr drauf. Und immer, wenn ich denke, ich sehe Licht am Ende des Tunnels, kommt einer und mauert ihn wieder zu.
Walter hat keine Beschwerden, und wenn, dann nicht an der betreffenden Stelle. Hab ich Blödmann wieder Hoffnung geschöpft, dass alles nicht so schlimm ist. Dass das MRT am Dienstag Klärung bringen wird.
Dann ruft der Internist an und haut mit dem Vorschlaghammer meine kleine Welt zu Klump. „Ambulantes MRT, da möchte ich vorher mit dem Radiologen sprechen“. Und bei mir läuft das Kopfkino from hell. Ja, da bin ich anders als „normale“ Menschen, ich denke dafür in zu vielen Schichten. Bei mir hieß der Satz „die Stelle ist nämlich sehr eng“ nämlich:
  •           Sie sind schwer krank
  •           Sie müssen ins Krankenhaus
  •           Oh Gott, da müssen wir was tun!

Was es andererseits für mich hieß war:
  •          Der schustert dem Krankenhaus und seinem Chefarzt-Kumpel Patienten zu
  •          Der hat einen Fehler gemacht und muss ihn jetzt ausbügeln oder vertuschen
  •          Der hatte die falsche Akte, denn in dem Befund, den wir haben, steht was ganz anderes drin.

Grundsätzlich finde ich es auch äußerst unethisch, einem Patienten so nebulöses Geschwafel am Telefon zu servieren und ihn dann damit komplett im Regen stehen zu lassen. Mit lauter unbeantworteten Fragen, Ängsten und Unsicherheiten. Und das bei einem Patienten, der FAST KEINE Beschwerden hat!
Trotz allem wirft mich das komplett aus der Bahn. Mir geht’s damit, um es in gastro-enterologischer Sprache zu sagen beschissen, denn ich finde das Verhalten zum Kotzen.

Denn das ist im Moment nicht die einzige Baustelle, die einzigen verbliebenen Menschen in meinem Leben machen mir ebenso Kummer.

Ein sehr guter Bekannter, der wir sehr schätzen und mögen hat eine sehr ausgedehnte Raumforderung im Kopf und da seine Frau selbst völlig durch den Wind ist, erfahren wir nur sehr wenig darüber, wie es ihm geht.



Und bezüglich meiner Herkunftsfamilie pendle ich im Moment zwischen „ich bin schön weit weg, es sollte mir einfach alles egal sein, wäre auch gesünder für mich“ und „ich sorge mich kaputt“. Um meine Oma, die durch eigenes Nichts-Tun sich und meinen Onkel in die Bewegungsunfähigkeit manövriert hat, aus der keiner von beiden mehr rauskommt.
Sie konnte sich von einer Minute auf die andere nicht mehr bewegen, legte sich ins Bett und stand nicht mehr auf. Jetzt schon über ein Jahr. Wieso weiß keiner, Diagnostik verweigert sie, Folge: Dekubitus, Katheter, Krankenhauskeim und und und. Dazu mein Onkel mit Abnutzungsschmerzen in Knie, Hüfte und Schulter. Diagnostik verweigert – Bewegung nur rückwärts rutschenderweise im Rollstuhl. Ich könnte schreien, wenn meine Mutter dann am Telefon alles abbügelt mit einem „jetzt ist es halt so und wir müssen das Beste draus machen“. 20 Jahre oder länger wurden Probleme ignoriert, bis sie nicht mehr zu beheben waren. Ich wurde wegen meiner mangelnden Lebenserfahrung ebenso ignoriert, denn was weiß ich schon. Und jetzt, wo es nicht mehr zu kitten ist, wird einerseits gejammert, andererseits weiter ignoriert und auf der dritten Seite weiterhin ignoriert.


Wenn mir noch einmal irgendwer sagt, der Facharzt wisse schon, was er tue und „er ist ja nicht ganz blöd“, dann läuft derjenige Gefahr, sich eine blutende Wunde zuzuziehen oder muss sich meinen Fuß aus irgendwelchen Körperöffnungen operieren lassen. NEIN. Der Arzt ist nicht unfehlbar. Auch wenn er das selbst glaubt und auch wenn er den Anschein erweckt. Über vieles lernen die Ärzte im Studium nämlich tatsächlich NICHTS. Oder zu wenig.

Ja, möglicherweise ist das zwischen Walters Gastro-Enterologen und mir etwas Persönliches. Er hat sich mir gegenüber scheiße verhalten. Und da ich aufgrund meiner Persönlichkeitsstruktur nicht vergesse (ist praktisch eine eingebaute Festplatte, die man nicht löschen kann), bin ich ihm gegenüber vielleicht auch kritischer als nötig. Aber vielleicht hat er sich bei der Erläuterung meines Schilddrüsen-Befundes auch als inkompetentes Rosinenbrötchen herausgestellt. Mag sein. (Dabei entschuldige ich mich hiermit bei allen Rosinenbrötchen dieser Welt, aber ich mag das Zitat aus der Abizeitung von 1995 einfach zu gerne).

Nein, mein Wissen ist nicht von google und yahoo. Mein Wissen ist aus den komischen blauen Büchern mit der weißen Schrift auf dem Cover. (das sind medizinische Fachbücher, für diejenigen, die das nicht wissen). Denn, ja, auch ich hatte einen Studienplatz für Medizin an der LMU und musste ihn damals aus logistischen Gründen absagen. Dafür habe ich 4 Semester gerichtliche Medizin gehört und mich tief in die Materie eingearbeitet, stundenlang mit Gerichtsmedizinern gesprochen, tagelang recherchiert.

Außerdem weiß ich tatsächlich die gängigen Suchmaschinen zu nutzen. Über 90 Prozent meiner Eigendiagnosen waren richtig und die restlichen 10 Prozent betrafen die Dermatologie.
Wenn ich zum Arzt gehe und sage: „Ich hab einen Nabelbruch“, will ich keinen väterlichen Blick und ein „achjaschaunwirmal“. Denn natürlich war es ein Nabelbruch. Und wenn ich sage, ich hab eine aktuelle Blutsenkung, ich brauche nur ein prä-operatives EKG, dann brauche ich auch nur ein EKG. Und kein Geläster, Geflüster und blöde Kommentare und ich lasse mich ganz sicher nicht zu einem unnötigen Aderlass zwingen! Nicht vom Arzt und nicht von den Damen am Counter.

Und möglicherweise erwarte ich von einem Hausarzt, dass er mal einen Blick in die Akte wirft. Denn: entweder ich schaue in die Akte oder ich lasse mir vom Patienten etwas erzählen. Nicht in die Akte schauen UND nicht zuhören ist ziemlich dämlich. Es ist doch nicht die Aufgabe des Patienten, den Arzt über die Sporttauglichkeit zu befragen oder ihn auf den fehlenden Impfschutz hinzuweisen. Da war es ihm dann offensichtlich ganz recht, dass Walter (oder ich) mitdenken. Aber sonst sind ihm aufgeklärte und kritische Patienten wohl echt zuwider und sehr lästig.

Und bevor das hier alles auch lästig wird, will ich dann doch mal rantmäßig zum Schluss kommen. Mit dem für mich tröstlichen Zitat meiner Hausärztin, das mir gezeigt hat, dass mein Wissen nicht schlecht ist, meine Ansätze gut und meine Gedankengänge doch nicht so scheiße: BLEIBEN SIE KRITISCH!
In diesem Sinne ziehe ich mich mal ein paar Tage von der Außenwelt zurück. Dank meiner Persönlichkeitsstruktur kann ich mich meditierenderweise auf eine grüne Wiese zurückziehen und vielleicht endlich etwas zur Ruhe kommen. Das Telefon wird auf AB umgeleitet, ich meditiere mich in die Highlands, streichle meine in der Traumreise existenten Hunde und schalte einfach mal ab.
Tioraidh an-drásta

Freitag, 11. Januar 2019

Mal nicht müssen müssen

Ich hab mich mit diesem Blogpost sehr sehr schwer getan, deshalb hat er auch so lange auf sich warten lassen. Wer mir hier länger schon folgt weiß, dass das Verhältnis zu meiner "Ursprungsfamilie" etwas schwierig ist. Lange hatten wir gar keines, haben dann über Erbstreitigkeiten mit der mütterlichen Seite wieder etwas zueinander gefunden und jetzt ist es - keine Ahnung, wie man es nennen würde. Definitiv kein normales familiäres Verhältnis zwischen Eltern und (erwachsenem) Kind aber auch kein abgebrochener Kontakt, irgendwas dazwischen. Auf Deutsch: ich schicke Mails und bekomme eine Antwort. Ich rufe sie an, man plaudert. Ich rufe sie an, man plaudert. Ich rufe sie an - das Musical.
Damit hab ich mich arrangiert, ich lebe hier einfach ein Leben, von dem sie nichts wissen, das sie aber im Endeffekt auch nichts angeht und sie vermutlich (auch wenn sie das Gegenteil behaupten) nicht interessiert. Sie haben mich hier nie besucht, vor 5 Jahren haben wir uns das letze Mal gesehen (und wenn ich sage: das letzte Mal, dann meine ich DAS LETZTE MAL).
Aber momentan halte ich den Kontakt zu ihnen hauptsächlich, weil ich nur über sie erfahre, wie es meiner Oma geht. Auch Oma habe ich zuletzt vor 5 Jahren gesehen, zwischendurch noch ein paarmal gesprochen, aber das Gespräch war so fies, dass ich keine Lust auf weitere hatte.
Mit Oma (und meinem Opa) war ich mein Leben lang sehr eng verbunden. Als Schüler bin ich jeden Tag zum Essen zu ihnen, da sie nur wenige Häuser von meiner Schule weg gewohnt haben. Später hatte ich ja in Horb gearbeitet und war immer noch oft bei ihnen, bin auch gerne mal mit ihnen zum Einkaufen gefahren. Aber natürlich gibt es (wie immer) ein ABER in der Geschichte.
Oma war zeitlebens das, was ich in ihren Augen nie war: fleißig, ordentlich, halt einfach eine tolle Haus- und Ehefrau. Gerne fingen ihre Sätze mit "Du musst doch" an: "Du musst doch aufräumen", "Du musst doch putzen" oder "Du musst doch arbeiten gehen". Bis hin zu "Du musst doch deine Wäsche getrennt waschen" und das dann auch noch mehrmals die Woche. An guten Ratschlägen zu meinem ihr gänzlich fremden und unbekannten Leben sparte sie nie.
Dabei wusste sie doch gar nicht, wie oft hier geputzt oder gewaschen wird. Und dass arbeiten bei mir nach dem Mobbing und der sexualisierten verbaler Gewalt bei der Neckar Chronik gegen mich nicht mehr ganz so einfach ist - egal. "Da musst du halt durch".
Oder mein Liebling: "Sei doch nicht so stur".
Und das von der Frau, die vor mittlerweile zwei Jahren von einem auf den anderen Tag aufgehört hat, sich zu bewegen. Und wenn ich sage zu bewegen, dann meine ich, sich zu bewegen. Sie bewegt ihre Arme nicht mehr, kann dadurch natürlich das Bett nicht mehr verlassen. Wieso? Das weiß keiner. Sie verweigert jegliche Untersuchung (so viel zu "sei doch nicht so stur").
Versorgt wird sie von einem Pflegedienst und meinen Eltern. Mein Onkel ist selbst so hinfällig, dass er sich nur noch mit Mühe bewegen kann. Ja, er ist krank. Das war er mein ganzes Leben lang. Aber er musste nie, so wie alle anderen mussten. Bei ihm war immer "er kann nicht", wo bei allen anderen "du musst doch" oder "stell dich nicht so an" war. Schön mit zweierlei Maß gemessen.
Was mich daran stört, wo ich doch so schön weit davon weg bin? Dass Oma immer über andere Verwandte, geschimpft und gelästert hat. Eben weil sie mit zweierlei Maß gemessen haben. Es wurden ja immer die anderen bevorzugt und sie kam zu kurz. Mag sein. Aber das, was sie macht, ist kein bisschen besser. Und kein bisschen weniger verletzend. Vor allem für mich. Denn ich habe mein Leben lang versucht, ihr zu genügen. Meine Gesundheit und im Endeffekt auch mein Leben damit aufs Spiel gesetzt. Um beim letzten Telefonat nur Vorwürfe zu hören. Und Gejammere. Unter anderem darüber, wie schwer mein Onkel es habe und wie fies meine Eltern ihn behandeln.
Völliger Realitätsverlust. Leider. Oder auch nicht leider. Ich bin da auf jeden Fall raus. And that's the end of it.
Auf Anraten meines Endokrinologen muss ich jetzt - genau NICHTS MEHR. Ich darf, muss aber nicht. Wenn nicht - dann nicht. Alles andere ist schädlich für mich. Was ich aber muss ist, mich dran zu gewöhnen, nicht zu müssen. Zu dürfen - ja. Aber müssen - nein! Müde und erschöpft sein - erlaubt! (Danke, Hashimoto!) Wenn ich nicht müde bin - Halbmarathon, ich komme! Mal auf mich selbst und meine Bedürfnisse hören ohne schlechtes Gewissen, weil ich mal nicht funktioniere. Auch mal durchhängen, statt durchmüssen. Mal sehen, wohin der Weg mich führt. Wo er mich nicht hin führt, weiß ich: zurück in den Schoß der Familie.

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Eigentlich ohne Worte

Hach, da will man gegen Ende des Jahres ein paar gute Manieren an den Tag legen und allen Leuten, mit denen man im Lauf des Jahres zu tun hatte, frohes Fest, schöne Feiertage und alles Gute fürs neue Jahr wünschen. So weit so naiv.

Die einen antworten gar nicht. Die anderen antworten per SMS und manche schreiben tatsächlich zurück. Und dann gibt es noch diese, die einem so antworten, wie man es nicht erwartet hat. Die einen tatsächlich noch mehr enttäuschen, als man es sich je hatte vorstellen können. Wenn die betreffende Person es liest, wird sie sich wohl erkennen.

Das sind Menschen, die sich selbst als sensibel bezeichnen und sich ein Gutmenschentum auf die Fahnen geschrieben haben, das scheinheilig und verlogen ist. Das sind Menschen, für die ich Hunderte Stunden gestickt habe (ja, das war meine Idee und meine Entscheidung) dann aber nicht von ihnen erwarten konnte, dass sie sich meinen Geburtstag aufschreiben. Die es zu stressig finden, sich für mich ein Weihnachtsgeschenk auszudenken, mir als Anorektiker aber zu Ostern Schokolade schicken.
Wir feiern kein Weihnachten, ich hatte kein Geschenk erwartet. Aber mir praktisch direkt zu sagen, dass ich es nicht wert sei, dass man sich meinetwegen Stress durch Nachdenken macht, zeugt nicht von Kinderstube.

Selbst hypersensibel zu sein und auf Stress mit allen möglichen Symptomen zu reagieren ist legitim. Dass ich auf die aus der Fassung gebrochene Balkontür, die wochenlang nur mit sehr viel Fingerspitzengefühl zu betätigen war, gestresst reagierte, war übertrieben. Das Ding war undicht! Es war laut und kalt hier! Die Heizung war drei Tage lang kaputt. Es war noch kälter hier!
Dass ich darauf tatsächlich mit Schilddrüsenproblemen reagiert habe (bin in eine Unterfunktion gerutscht samt Wortfindungsstörungen, Konzentrationsstörungen, ADS-Symptomen usw) - übertrieben. Dass ich nicht in der Lage war, Mails zu schreiben und mit meiner Matschbirne keine Mails lesen wollte, in denen immer wieder davon die Rede war, welche Jeans/Shirts/Cardigans/Mäntel gekauft/bestellt/zurückgeschickt/umgetauscht wurden ist von mir ja auch echt nicht nett. Habe ich doch tatsächlich mal mein Wohl vor das der anderen gestellt. Shame on me.

Tut mir leid, wenn ich auch mal etwas Rücksicht einfordere oder wenigstens Verständnis dafür, wenn ich mich mal zurückziehe. Ich brauchte eine Auszeit. Wenn das einem Kontaktabbruch gleichkam – so be it. Nur irgendwie hatte ich von jemandem, der mit Kreislaufproblemen und anderen körperlichen Beschwerden auf Stress reagiert, mehr erwartet. Vor allem nicht, dass mein Stress bagatellisiert wird. Denn auch mein Leben besteht nicht aus Einhörnern, die Regenbogen mit Marshmallow-Duft pupsen. Get a grip!

Mein 2018

Da geht es hin, das Jahr 2018 und mit ihm kam und ging so einiges auch in meinem Leben.
Es kam eine Diagnose und damit eine Therapie (die aber noch in der "Erprobungsphase" ist), mit der Therapie kam das Laufen zurück und damit ein großer Teil meiner Lebensqualität. Ich war diese Jahr seit Mai ca 50 Stunden laufenderweise unterwegs, die längste Strecke waren 24km, im Durchschnitt waren es pro Einheit 13km. Dabei konnte ich auch mein Tempo wieder sehr gut steigern, auch wenn ich (wie immer) nicht ganz zufrieden bin. Und das sind nur die Daten, die meine TomTom Sportuhr gespeichert hat, beim Wandern hatte ich sie oft gar nicht dabei.
Gewandert sind wir auch einige Male. Vor allem rund um Roermond, Wasserbüffel und massig Rindviecher inklusive.
Also insgesamt kann man sagen, es war ein ganz bewegtes Jahr.

Persönlich war es eher durchwachsen. Freundschaften kamen und gingen, for whatever reason. Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich aufgehört habe, Leuten hinterher zu laufen? Denn tatsächlich hat auch meine Geduld ihre Grenzen und in diesem Jahr habe ich angefangen, eben diese auch zu verteidigen.
Die Leute, denen meine Art nicht passt, können auch gerne fern bleiben. Denn sie passen eh nicht in mein Leben. Schade, aber ja, so be it.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich in diesem Jahr "so be it" oder auch "was weiß ich denn?" gesagt habe. Ich finde, ich bin in manchen Dingen gelassener geworden. In machen leider noch nicht, aber ich arbeite daran. So muss man manchmal die Leute einfach die Suppe auslöffeln lassen, die sie sich und ihrem Umfeld eingebrockt haben. Ich kann die Welt nicht retten, nicht mein direktes Umfeld und nicht meine Familie.

Ich habe keine Geduld mehr mit Menschen, die über Dinge jammern, die sie hätten vermeiden oder ändern können. Egal, ob es beim Nordic Walking um die richtige Stocklänge oder die richtige Technik geht oder die Arztwahl bei bestimmten Krankheiten/Symptomen oder die inflationäre Verwendung von Schmerzmitteln und Antibiotika - Leute, macht einfach! Wenn ihr der Meinung seid, eure Ärzte wissen schon, was sie tun, dann ist das wohl so. Sorry. Aber brockt euch gerne eine Suppe ein, löffelt sie aus oder auch nicht - so be it.

Und so lassen wir auch dieses Jahr ausklingen wie die vergangenen. Ruhig, gezellig und entspannt. In der Hoffnung, dass das kommende ebenso wird: entspannt.

Merry X-Mas and a Happy New Year!

Freitag, 30. November 2018

23. Landschaftslauf "Rund um den Adolfosee", Ratheim, 10.11.2018

Da Ratheim bei mir ja im Prinzip "um die Ecke" liegt habe ich mich entschlossen dort in diesem Jahr wieder zu starten, obwohl meine Knie etwas Probleme machen.
Für die Anfahrt brauchte ich kein Navi, ein Parkplatz war vor Ort wieder schnell gefunden. Ca. 800 Meter vom Adolfosee entfernt ist ein Kindergarten mit Parkplätzen. Dort parkte ich wieder, wie beim letzten Mal. Vor Ort angekommen, schnell die Laufschuhe anziehen, Startnummernband, Handschuhe und etwas Geld einstecken und zum Haus am See gehen, wo die Veranstaltung wie immer stattfand.
Auf dem Fußweg dorthin traf ich einen bekannten Walker und wir plauderten etwas. Vor dem Gebäude wurde ich schon sehr freundlich von den Helfern des Veranstalters begrüßt. Danach ging ich zur Startnummernausgabe, bezahlte und wollte meine Startnummer mitnehmen. Leider hatte mein Bekannter einen kleinen Fehler gemacht und meinen Namen falsch geschrieben, dies wurde aber sofort und ohne Probleme korrigiert.
Vor dem Haus am See traf ich wieder den bekannten Walker, wir unterhielten uns etwas über vergangene Wettkämpfe und machten uns dann auch zusammen warm.
Um kurz nach 14 Uhr gingen wir zur Startaufstellung, der Start sollte um 14:10 Uhr sein. Dieser verspätete sich um ein paar Minuten, da der Veranstalter vermeiden wollte dass wir mit den Kinder-Läufen ins Gehege kamen. Absolut verständlich und vollkommen in Ordnung ist. Der Start war dann um ca. 14:13 Uhr. Ich startete mit den anderen Walkern von hinten, da wir zusammen mit den 5k Läufern starteten. Nach dem Startschuss versuchte ich so gut es ging, Tempo zu machen und setzte mich an die 2. Stelle, hinter einem wirklich guten und schnellen Walker.
Nach ca. 500m habe ich dann auch schon die ersten Läufer überholt. Ich konnte die 2. Position halten, hatte aber einen anderen Nordic-Walker ca. 50 bis 100m hinter mir. Diesen Abstand konnte ich halten. Nach der 2. kleinen Runde ging es dann auf die größere Runde um den See und ich musste aufpassen mein Tempo zu halten, auch wenn es viel zu schauen gab auf der schönen Seerunde.
Dies gelang mir aber ohne Probleme. Unterwegs waren wieder einige Sparziergänger und auch Läufer unterwegs, die machten aber alle anstandslos Platz für uns.

Das Ziel erreichte ich in 37:25 min, womit ich vollkommen zufrieden war. Das Ziel war um die 40 Minuten, dies habe ich ohne Probleme geschafft. Ich schaute mir dann noch den Einlauf der anderen Walker und Nordic-Walker an, leider waren nicht viele am Start. Unterhielt mich dann noch mit 2 Walkern, dem Nordic-Walker hinter mir gab ich ein paar Tipps wie er seine Technik verbessern könnte. Mit einer besseren Technik wäre er nicht hinter mir in Ziel gekommen, sondern vor mir. Er bedankte sich für die Tips und wir gingen einen Kaffee trinken bis zur Siegerehrung. Diese fand dann knapp 30 Minuten nach dem Zieleinlauf statt. Leider haben einige nicht die Wettkampfregeln verstanden. Es gab nur Stadtmeister-Medaillen für Teilnehmer die den Wohnsitz oder eine Vereinszugehörigkeit in Hückelhoven haben, dies stand auch ganz klar so in der Ausschreibung. Der Kommentar "Sind ja nur die Walker" trifft dann nicht zu und ist völlig überflüssig, unnötig und schlicht falsch. Denn dieser Verein behandelt (als einer der wenigen!) die Walker vollkommen gleichberechtigt. Dies ist auch ein Grund warum ich immer wieder gerne bei den Veranstaltungen dieses Vereins starte.

Mit dem Wetter hatten wir Glück, der angekündigte Regen blieb bei der 5k Runde aus, langsam zog sich aber die Himmel richtig zu nach der Siegerehrung und wir begaben uns auf den Heimweg.

Wieder eine sehr schöne Veranstaltung des TuS Jahn Hilfarth, super organisiert und der Ablauf war perfekt. Fehler können überall passieren, wichtig ist wie man damit umgeht. Somit kann ich nur 10 Stöcke für diesen schönen Lauf geben.


Samstag, 10. November 2018

46. Int. Volkslauf in Übach-Palenberg, 04.11.2018

Da der Lauf ja fast um die Ecke ist, bot es sich für mich an, dort mal wieder zu starten. Also fuhr ich am Sonntag den 04.11.18 nach Übach-Palenberg. Wie in den vergangenen Jahren sollte der Lauf am dortigen Hallenfreibad starten. Da am Vortag der Rursee-Marathon-Walk war, erwartete ich kein allzugroßes Starterfeld bei den Walkern. Leider waren es samt Nachmeldungen auch tatsächlich nur 15 Walker und Nordic Walker. Allerdings waren einige bekannte Gesichter dabei und ich hatte direkt nach der Ankunft (Dank Navi problemlos) direkt jemanden zum plaudern. Die Startnummernausgabe verlief reibungslos, da ich vorgemeldet war. Wir plauderten noch etwas und es war auch schon an der Zeit sich die Laufschuhe anzuziehen und warm zu machen. Es waren 4 Grad, der vorhergesagte Sonnenschein hielt sich noch bedeckt. Sprich: Es war diesig und feucht.

Der Start war mit 2 Minuten Verzögerung, weil man nicht mit den Jugendläufen ins Gehege kommen wollte. Das war vollkommen ok und richtig.
Nach dem Start setzte ich mich an die 2. Position, den Führenden (ein mir bekannter Walker) hielt ich in Sichtweite, einholen konnte ich ihn nicht, da ich trainingstechnisch einfach nicht auf dem Stand der Vorjahre bin. Aber ich achtete darauf, dass ich ihn nicht aus den Augen verlor, zumindest auf geraden Passagen. Nach ca. 1 Km kam dann die berüchtigte Rampe auf das offene Feld. Anders als in den Vorjahren war die Rampe nicht mit Laub bedeckt und es war fast windstill. Mein Tempo pendelte sich zwischen 7,5 und 7,8 min/km ein, mehr war leider nicht drin.
Ich konnte aber den 2. Gesamtplatz ohne Probleme halten. Die Wegmarkierungen für die Walker waren ok, es waren grüne Pfeile auf Pfosten angebracht. Nach der Runde im offenen Feld ging es in einem Bogen wieder zurück zur Rampe nur diesmal bergab. Das Ziel erreichte ich in 51:53
 Minuten. Mit dieser Leistung kann ich aufgrund meines Trainingsstandes (oder besser: Trainingsrückstandes) zufrieden sein. Ich wurde 2. Gesamt und 1. Nordic-Walker im Ziel. Am Hallenfreibad gab es dann noch warmen Tee für alle Teilnehmer. Wir führten noch einige Gespräche. Unter anderem traf ich einen mir bekannten Trainer vom TUS Jahn Hilfarth und sprach mit ihm etwas über den Adolfosee-Lauf nächste Woche. So konnte ich mich bei ihm auch direkt dafür anmelden.

Die Siegerehrung war zügig, knapp 45 Minuten nach meinem Zieleinlauf. Für alle gab es Kaffee, Kaltgetränke, Brötchen und Bockwürste zu sehr zivilen Preisen. Nach und nach machten wir uns dann auf dem Heimweg. Wir verabredeten und aber für kommende Woche zum Adolfosee-Lauf.

Der Lauf war gut organisiert, die Strecke war etwas länger als angegeben (ca. 6,7 K), aber dies war kein Problem. Sie war gut ausgeschildert. Einigen haben aber auf der Strecke ein paar Richtungspfeile gefehlt, sie waren zwischendurch etwas unsicher, ob sie noch richtig waren. Aber im Zweifel heißt es da halt: wenn kein Pfeil da ist - geradeaus. Aber ein kleiner Verbesserungsvorschlag für die Organisatoren für den Lauf im kommenden Jahr: Macht doch wieder so schöne bunte Richtungspfeile auf den Boden, so wie ihr das sonst auch schon gemacht habt! Ansonsten aber: Weiter so!

Und deshalb trotzdem volle 10 Stöcke für diesen schönen Lauf.